„Jeder Einzelne sollte dafür kämpfen, als freier Mensch zu leben“


Vom Friedensnobelpreisträger 2010 Liu Xiaobo

 1. Die gewaltfreie Bürgerrechtsbewegung zielt nicht darauf ab, politische Macht zu erringen, sondern setzt sich dafür ein, eine humane Gesellschaft zu errichten, in der man in Würde leben kann.

2. Die gewaltfreie Bürgerrechtsbewegung muss kein Ziel vollständiger Umwandlung verfolgen. Stattdessen setzt sie sich dafür ein, Freiheit im alltäglichen Leben in die Praxis umzusetzen, indem sie Ideen verbreitet, Meinungen äußert und Rechte aktiv verteidigt, und besonders, indem sie unablässig jeden einzelnen Fall, in dem Rechte verteidigt werden müssen, aufgreift, um moralisches Kapital, organisatorische Ressourcen und Praxiserfahrung im zivilgesellschaftlichen Bereich zu sammeln.

3. Unabhängig davon, wie groß die Macht eines Regimes und seiner Institutionen ist, Freiheit zu verweigern, sollte jeder Einzelne dennoch so gut er oder sie kann, dafür kämpfen, als freier Mensch zu leben. Das heißt, er sollte jede Anstrengung unternehmen, um in Würde ein anständiges Leben zu führen. Wenn diejenigen, die nach Freiheit streben, das auch öffentlich bekennen und leben, was sie predigen, werden sie, sofern sie in den kleinen Dingen des täglichen Lebens furchtlos sind, in jeder diktatorisch beherrschten Gesellschaft, durch das, was sie im Alltag sagen und tun, zur fundamentalen Kraft werden, die das System der Versklavung umstürzen wird.

 

4. Man sollte sich unermüdlich den liberalen Werten verpflichten, das Prinzip der Toleranz befolgen, und für multilateralen Dialog werben, besonders wenn im Volk unterschiedliche Stimmen laut werden. Und man sollte das Handeln im Kleinen als Ergänzung zum Widerstand im Großen ansehen, anstatt sich selbst als absoluten Helden zu betrachten und in überzogener Weise Schuld zuzuweisen.

5. Ob als Mitglied oder Außenseiter des Systems, ob man von oben nach unten oder unten nach oben arbeitet, sollte jeder das Recht des anderen respektieren, seine Meinung zu sagen. Selbst die Stellungnahmen und Handlungen von Menschen, die der Regierung angehören, sollten, solange sie nicht den unabhängigen Diskurs der Menschen und die Bürgerrechtsbewegung einschränken, als nützliche Erkundung der transformatorischen Strategien angesehen werden und ihr Recht auf Meinungsäußerung sollte respektiert werden.

6. Institutioneller Commonsense in der Frage, wie man sich einer allgegenwärtigen diktatorischen Macht entgegenstellt, anstatt ihr aus dem Weg zu gehen: Man muss die Initiative dafür, den Status der rechtlosen Bevölkerung zu verbessern, in die eigene Hand zu nehmen, anstatt seine Hoffnung auf die Ankunft irgendeines aufgeklärten Meisters oder gütigen Herrschers zu setzen.

Das gilt auch für den Iran

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