Iran: Die Macht des Despoten schwindet


Die militärische Option gegen den Iran ist vom Tisch. Russland leistet deshalb keinen Widerstand mehr gegen die Sanktionen. Der Diktatur fällt es schwerer, das Volk ruhigzuhalten.

Von Josef Joffe 

Vergangene Woche flog ein Munitionslager der iranischen Revolutionsgarden in die Luft: Schlamperei oder Sabotage? Davor kroch der Stuxnet-Wurm durch iranische Anlagen, hauptsächlich durch solche der Firma Siemens, die einst die Reaktoren von Buschehr geliefert hatte. Am interessantesten aber ist ein Signal aus Russland, das bislang Iran-Sanktionen verwässerte: Iran erhält nun doch nicht das beste Flugabwehrsystem S-300.

Dafür gab?s großes Lob von Obama. Jahrelang hatte Moskau weder Ja noch Nein gesagt. Die neuen Indizien besagen: Die „militärische Option“ gegen die iranische Atomrüstung ist vom Tisch. Folglich eskaliert der Krieg im Schatten: Sabotage als Ersatz. Und die Schlinge der Sanktionen zieht sich zu. Wahrscheinlich hat gerade der unausgesprochene Gewaltverzicht den USA das diplomatische Geschäft erleichtert.

Deutschland ist zwar der drittgrößte Lieferant Irans (nach den Vereinigten arabischen Emiraten und China), aber offensichtlich wirkt der Druck aus Amerika. Ende September brach Thyssen-Krupp die Geschäfte ab. Davor waren es Siemens, Allianz und Linde. Warum? Am 9. Juni verschärfte die Uno die Sanktionen, insbesondere bei den Waffenexporten und Finanztransaktionen. Etwas später landeten einige Dutzend iranische Unternehmen auf der schwarzen Liste der USA. Wer mit denen Geschäfte macht, ist raus aus dem US-Markt. Ende Juli schlug die EU zu: mit einem Verbot von Investitionen im Energiesektor, der wichtigsten Einnahmequelle des Regimes.

Kein Wunder, dass Siemens sich zurückzieht. Was ist ein Umsatz von 400 Millionen Euro in Iran im Vergleich zu 20 Milliarden in den USA? Gleiches trifft für Südkoreas Autohersteller Kia zu, der den US-Markt nicht verlieren will. Wie Seoul hat auch Tokio einseitige Sanktionen verhängt. Nun lehrt die Erfahrung, dass Wirtschaftskrieg noch kein Land in die Knie gezwungen hat, vielleicht mit Ausnahme Südafrikas, und dann nach Jahrzehnten. Aber eines wird inzwischen deutlich: Iran leidet unter dem wachsenden Druck, weil der auf eine geschwächte Wirtschaft trifft.

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