Döpfner: Deutsche Politik gegenüber Iran «beschämend»


Mathias Döpfner

Berlin (dpa) – Der Vorstandsvorsitzende des Medienhauses Axel Springer, Mathias Döpfner, hat der deutschen Politik und Wirtschaft vorgeworfen, die Bedrohung Israels durch den Iran weitgehend stillschweigend hinzunehmen. «Dass es die deutsche Politik im Verbund mit deutschen Unternehmen … noch nicht einmal schafft, stringente Wirtschaftssanktionen im Iran durchzusetzen, ist peinlich und beschämend», schrieb Döpfner in einem Beitrag für die Springer- Zeitungen «Die Welt» und «Berliner Morgenpost» am Dienstag.

Der Spionagevorwurf gegen die zwei im Iran festgenommenen Springer-Mitarbeiter sei absurd und gefährlich. Den beiden Reportern drohe im Extremfall die Todesstrafe, schreibt Döpfner in dem zweiseitigen Artikel, der sich vor allem mit der Ausbreitung des Islamismus und der Haltung Europas beschäftigt.

Mit Blick auf die aktuelle Warnung vor islamistischen Anschlägen mahnte Döpfner, die Freiheit sei heute so bedroht wie seit 70 Jahren nicht mehr. «Es geht dabei um alles. Nicht um Ideologie, sondern um unseren Lebensstil.»

Döpfner kritisierte zudem, es sei naiv, wenn man in Europa den Nahostkonflikt auf Israel und auf die USA verenge. «Darin schwingt mit: Wir müssen uns ja nicht auch noch in die Schusslinie bringen, sollen die Verursacher ihre Probleme selbst lösen.» Dies sei genau, was die Islamisten erreichen wollten, und weit weg von der Realität des Konflikts. «Die als Geiseln genommenen Journalisten des Westens, die Drohungen der letzten Tage zeigen es: Deutschland steht im Zentrum, wir sind die Gegner, wir sind die Zielscheibe». Die Mentalität des «Ohnemichels» habe ausgedient.

Aus dem Trauma des Dritten Reichs und des Holocaust hätten die Deutschen die falschen Schlüsse gezogen. «Die Lektion dieser Erfahrung hätte sein müssen: Nie wieder Unfreiheit, nie wieder Rassismus, nie wieder antidemokratische Autorität.» Stattdessen habe man «die deutsche Lektion so interpretiert: Nie wieder Krieg, nie wieder militärische Involvierung, nie wieder sollte Deutschland irgendwo eine Führungsrolle übernehmen wollen». Mit dieser Haltung würden Diktaturen, Rassismus und Massenmord ermöglicht statt verhindert, schrieb der Springer-Vorstandschef.

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