Iran: Widerstand erwacht langsam


Aktivisten weiter unter massivem Druck

Parastou Forouhar

Seit den Unruhen vor eineinhalb Jahren sind Nachrichten aus dem Iran mit jedem Monat seltener geworden. Dem Regime ist es gelungen, Gegner und Kritiker zum Schweigen zu bringen. Hunderte sitzen im Gefängnis. Doch der Widerstand erwacht langsam wieder zum Leben.

Iranische Künstlerin berichtet

Eine, die dem Regime beharrlich die Stirn bietet, ist die Künstlerin Parastou Forouhar. Die Iranerin lebt in Deutschland, reist aber alljährlich in ihre Heimat, um mit einer öffentlichen Gedenkfeier an die Ermordung ihrer Eltern zu erinnern, zwei prominente Regimekritiker, die vor zwölf Jahren in ihrem Haus bestialisch ermordet wurden. Sie waren die ersten Opfer einer Serie von Morden an Oppositionellen. Parastou Forouhar ist vor kurzem von ihrer diesjährigen Reise zurückgekehrt.

„Große Angstwelle ist vorbei“

Im Sommer hatte sie noch den Eindruck, dass sich die Menschen zurückgezogen hatten, um die bittere Erfahrung der niedergeprügelten Proteste zu verarbeiten. Damals hatten sie sich darauf konzentriert, den schwierigen Alltag zu bewältigen. Diesmal, ein halbes Jahr später, war wieder Widerstand erkennbar, sagt Foruhar: „Bei jeder Taxifahrt, bei jedem Gespräch mit einfachen Leuten auf der Straße konnte man die Unzufriedenheit der Menschen spüren. Die große Angstwelle ist meiner Meinung nach vorbei.“

Aktivisten weiter unter Druck

Doch diese Entspannung gilt nicht für jene Menschen die politisch aktiv waren, sagt die iranische Künstlerin Foruhar: „Oppositionelle, Menschenrechts-aktivisten, Frauenrechtlerinnen, Journalisten und Studenten sind unter massivem Druck. Sie werden ständig zu Verhören vorgeladen und ständig von Agenten angerufen.“ Durch ein Klima der Angst sollen sie davon abgehalten werden, auch nur die geringste Aktivität zu setzen.

Wer über Korruption oder die Wirtschaftsmisere schimpft, wird nicht mehr so schnell bestraft, auch Razzien der Sittenpolizei wegen locker sitzender Kopftücher oder lauter Musik hätten aufgehört. Doch das System des Regimes habe Methode: „Wo die Unzufriedenheit durch politische Aktivisten formuliert und in politisches Handeln übersetzt werden kann, da ist fast nichts möglich“, sagt Foruhar.

Alles wird überwacht: E-mails, Telefone, Internet

Auch Parastou Foruhar selbst man isoliert, ihr den Pass abgenommen, sie vorgeladen, ihr die Gedenkfeier für ihre ermordeten Eltern auch heuer wieder verboten. Die Gasse ihres Elternhauses sei am Todestag von Sicherheitskräften abgeriegelt gewesen, das Telefon funktionierte nicht. Für jedes Treffen war höchste Vorsicht notwendig, etwa mit der Familie der verhafteten Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotudeh. Viele Treffen kommen erst gar nicht zustande. „Als ich einen Freund angerufen habe, um ihn zu treffen hat er nur gesagt, er sei erkältet und könne niemanden sehen. Da weiß man dann, er ist massiv unter Druck und wird beobachtet.“

Neue Proteste werden kommen

Trotz all der Widrigkeiten sei die grüne Bewegung noch am Leben, sagt Parastou Forouhar: „Wenn man mit den ehemaligen Aktivisten redet, dann sagen sie, dass sie abwarten. Sie versuchen ihre Situation zu stabilisieren und warten den richtigen Moment ab.“ Das, was man nach außen als großes Schweigen empfindet, sei nur vorübergehend. „Der innere Widerstand ist noch da, trotz der großen Angst, die man im Inneren verspürt. Die nötige Energie, um wieder zu demonstrieren, wird sich sammeln. Aber das braucht seine Zeit.“

Quelle

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