Ayatollah Chomeini: Der charismatische Führer


Gegen ihn ist Irans Präsident Ahmadinedschad ein Häschen. An Ayatollah Chomeini (1902 – 1989), den spirituellen und politischen Führer der iranischen Revolution, hefteten sich vor 30 Jahren sämtliche Ängste der westlichen Welt gegenüber jener Macht, die ganz unvermutet wieder aufgetaucht war aus ihrer vormodernen Versenkung; dem Islam. Aber es war eine andere, eine neue Spielart der Religion. Chomeini war nicht der Erste, der den Islam auf sehr moderne Weise in eine radikale politische Doktrin verwandelte; aber er war der Erste, der diese Doktrin der schiitischen Theologie anpasste und erfolgreich zum Sturz eines muslimischen, dabei dem Westen so angenehm wohlwollend gegenüberstehenden Diktators einsetzte. Die Revolution, ein dem Westen entliehenes Mittel der gesellschaftlichen Veränderung, bestärkte unzählige mit ihrer Situation unzufriedenen Muslime in ihrem Willen zu handeln. Und der revolutionäre Iran bildete sie als Kämpfer im Namen des Islam aus und unterstützt bis heute Bewegungen wie die Hisbollah im Libanon. Das Land verfolgt Regimekritiker, es droht Israel regelmäßig, Frauen werden mit Steinigung bedroht. Ein Hort der Friedfertigkeit ist Iran nicht.

 

 

Es gibt einen berühmten Wortwechsel zwischen Chomeini und einem amerikanischen Reporter auf seinem Flug aus dem Exil nach Teheran am 1. Februar 1979. Ob der Ayatollah ihm mitteilen wolle, was er fühle, jetzt, da er wieder zurück in Iran sei, fragte der Reporter. ‚Nichts‘, antwortete Chomeini, ‚ich fühle nichts.‘ Waren es scheinbar gefühlskalte Worte wie diese, die den Westen so sehr verstörten, oder seine asketische Lebensweise, gepaart mit gnadenlosen Urteilen über alles und jeden, die seiner Sicht eines wahrhaft islamischen Lebenswandels entgegenstanden? Chomeini wurde vom Westen ebenso zum Satan stilisiert, wie er es umgekehrt tat. Und selbst innerhalb der iranischen Geistlichkeit waren seine Auslegungen zur weltlichen Herrschaft der Kleriker umstritten. Da lebte dieser Mann in einer spärlich möblierten Kammer in Teheran und schrieb mystische Gedichte. Doch zugleich nutzte er als erster charismatischer Redner die Mittel der vordigitalen Moderne – Tonbänder und Kassetten -, um seine Botschaft zu verbreiten. Man konnte ihm nicht drohen, er hatte keine Angst vor weltlichen Gerichten. Darin glich er den heutigen, der Welt entsagenden Attentätern – wie will man sie noch berühren? pst

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