Iranern fehlt das Geld zum Widerstand


Die iranische Führung steht international massiv in der Kritik, auch in der Bevölkerung wächst der Unmut. Doch die Bürger protestieren kaum noch gegen Ahmadinedschads Politik: Angesichts der miserablen wirtschaftlichen Lage fragen sie sich, wie sie die nächste Miete bezahlen sollen.

Teheran – Es ist nicht das umstrittene Atomprogramm, das die Iraner dieser Tage umtreibt. Wirkliche Sorgen bereitet ihnen die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Internationale Sanktionen, gestrichene Subventionen für Benzin und Nahrungsmittel sowie Geldsorgen machen den Bürgern das Leben schwer.

Präsident Mahmud Ahmadinedschad, der wegen des Atomprogramms des Landes international in der Kritik steht, muss im Inland auf den wachsenden Unmut der Bevölkerung achten. Zuletzt hatte seine Regierung die staatliche Subventionierung von Benzin und Lebensmitteln deutlich gesenkt, um im Staatshaushalt rund 100 Milliarden Dollar einzusparen. Die USA verhängten in der vergangenen Woche weitere Sanktionen, mit denen sie Teheran zum Verzicht auf das Atomprogramm drängen wollen.

Solche Maßnahmen und der Wegfall der Subventionen haben die Bevölkerung massiv verunsichert, sie fürchtet, dass ihr Leben immer schwieriger wird. Die Menschen sind frustriert, die Preise für die meisten Konsumgüter sind gestiegen – die meisten Iraner der Unter- und Mittelschicht müssen kämpfen, um über die Runden zu kommen.

„Die Menschen machen sich Sorgen über die wirtschaftliche Situation“, sagte Farokh Amiri, ein Politiklehrer. „Du kannst Dir keine Gedanken über Politik machen, wenn Du Dir Sorgen machen musst, dass Du Deine Miete nicht bezahlen kannst.“ Ahmadinedschad ist sich der Situation bewusst und hat daher eine monatliche Barzahlung für Bedürftige in Höhe von umgerechnet 40 Dollar aufgelegt. „Ahmadinedschad braucht die Iraner mit geringem Einkommen, um sich einen Sieg bei den Parlamentswahlen 2012 zu sichern“, sagt der Analyst Samad Hojjati. „Darum spielt er Robin Hood.“

„Jede Art von Opposition kann sehr kostspielig sein“

Doch die Hilfen sind knapp bemessen: „Nach der Kürzung der Subventionen reichen 40 Dollar noch nicht einmal für die monatliche Stromrechnung aus“, beklagt sich der Lehrer Hamid Maleki, der drei Kinder hat. „Wie soll ich mit einem mageren Gehalt von 500 Dollar auskommen, wenn die Preise immer weiter steigen?“

Beobachter gehen angesichts der wirtschaftlichen Lage der Bevölkerung nicht davon aus, dass es erneut zu großangelegten Protestaktionen kommen wird. Nach der umstrittenen Wiederwahl von Ahmadinedschad im Jahr 2009 waren Tausende Menschen festgenommen worden, weil sie auf die Straße gegangen waren. Die meisten von ihnen befinden sich inzwischen wieder auf freiem Fuß, mehr als 80 sind allerdings zu Gefängnisstrafen von bis zu 16 Jahren verurteilt worden.

„Diejenigen, die dieses Mal auf die Straße gehen wollen, werden es sich zweimal überlegen“, sagt ein westlicher Diplomat in Teheran. „Die Regierung hat klargemacht, dass jede Art von Opposition sehr kostspielig sein kann.“

Quelle

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: