Grüner Bürgermeister zu Gast bei regimetreuer Iran-Ausstellung


Iran – Land der Anbetung

Während im Iran Kritikerinnen und Kritiker gefoltert und hingerichtet werden, kann das Generalkonsulat der Iranischen Repubik Iran in München gelassen zur kunterbunten Ausstellung mit dem vielsagenden Titel „Iran – Land der Anbetung“ laden. Höhepunkt werden die sogenannten Passionsspiele sein. Peter Gauweiler (CSU) und Bürgermeister Josef Monatzeder (Grüne) waren bereits zu Gast und gaben ihren Segen.

Im islamischen Monat Moharram ereignet sich im Iran regelmäßig ein blutiges Spektakel. Geistige Führer empfehlen dem schiitischen Bevölkerungsteil die Selbstgeißelung und Massen folgen ihrem Aufruf. (Bericht von Ali Schirasi aus dem Jahre 2008). Selbstverstümmelungen sind die höchstmögliche Eskalationsstufe der schiitischen Passionsspiele, bei denen der Märtyrertod des dritten Imans Al-Husain gewürdigt und nachempfunden wird. Für das iraner Regime ist das Fest von doppelter Bedeutung: Die Schlacht von Kerbela im Jahre 680, bei der der Prophetenenkel Al-Husain aufopferungsvoll starb, markiert die Spaltung von sunnitischem und schiitischem Islam und ist somit für die schiitische Führung im Iran ein identitätsstiftendes sowie antisunnitisches Bekenntnis. Auch gilt es der Welt zu demonstrieren, mit welcher Inbrunst islamistische Gruppen sich selbst im Kampf zu opfern bereit sind. Zahlreiche Milizen – und die iranischen Pasdaran – leiten aus dem aussichtslosen Kampf des dritten Imans ihr selbstmörderisches Dschihad-Verständnis ab.

Ali Reza Scheikh Attar

Das Pasdaran-Mitglied, Ali Reza Scheikh Attar, hielt die Eröffnungsrede


Neben der Präsentation der „größten siebenfarbigen Kachel der Welt“ und anderem kulturellen Klimbim, soll eben das historische Passionsspiel um den dritten Iman nach iranischer Auslegung im Münchner Postpalast aufgeführt werden. Eröffnet wurde die Ausstellung – ohne jegliches mediales Begleitensemble sowie kritiklos – bereits am 18. Dezember vom iranischen Botschafter und Ahmadinedschad-Kumpel Ali Reza Scheikh Attar, der unter anderem zwischen 2003 und 2005 beim antisemitischen Propagandablättchen Hamshahri Chefredakteur war, einem Presseorgan der iranischen Gemeindeverwaltung, das mit einem Holocaust-Karikaturen-Wettbewerb im Jahre 2006 weltweit Bekanntheit erlangte. Attar ist insbesondere bei kurdischen Oppositionellen unbeliebt. Er war Gouverneur der Provinzen Kurdistan und West-Aserbaidschan und soll laut Angaben kurdischer Verbände zahlreiche Hinrichtungen persöhnlich zu verantworten haben. Attar lobte zur Ausstellungseröffnung in München ausdrücklich den deutschen Beitrag beim „Aufbau industrieller und technischer Strukturen“ im Iran.

Proteste blieben aus. Im Gegenteil: die Grünen kamen zum Händeschütteln
Nachdem Peter Gauweiler schon vor Kurzem in Teheran deutlich machte, dass er an Berührungsängsten nicht leidet, war seine Teilnahme bei der Eröffnungsveranstaltung der Ausstellung „Iran – Land der Anbetung“ keine Überraschung mehr. Überraschender jedenfalls war die Anwesenheit des dritten Bürgergemeisters Josef Monatzeder, der auf seiner Website in sattem Grün für „bessere Lebensbedingungen“ wirbt, was aber scheinbar nicht auf die Menschen im Iran und die Menschen in bedrohten Nachbarstaaten anzuwenden ist. Der iranische Botschafter Attar wird bei vielen Veranstaltungen in Deutschland mittlerweile explizit ausgeladen, in München bemühen sich politische Würdenträger hingegen eigens auf seine Party und spenden Beifall. Die Ausstellung kann noch bis Mitte Februar besucht werden und kostet keinen Eintritt.

Quelle

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