Eure Luxusblogger-Probleme kotzen mich an


Dem schliesse ich mich an. Endlich klare Worte. Mit Feigheit kann man NICHTS verändern !!!

 

Dass deutsche Traditions-Medien die Proteste in Tunesien verschweigen, lässt sich gerade noch verschmerzen. Dass sich die deutsche Blogosphäre aber mal wieder als ein Haufen Feiglinge outet, stimmt bedenklich.

<!––><!– –>Geschrieben von:  Michael Stepper

Wach endlich auf, deutsche Blogosphäre!

Was ist nur los mit Dir, Blogger-Deutschland? Erkennst Du etwa die Zeichen der Zeit nicht mehr? Während in Tunesien die Jugend auf der Straße um ihre (Netz-)Freiheit kämpft, wälzt Du noch Deinen nachweihnachtlichen Speckmantel im Wohlstands-Winterschlaf. Von den traditionellen Medien und ihren Auswüchsen im Internet haben wir – ehrlich gesagt – nichts anderes erwartet: lächerliche 20 Tote und keine Tragödie wie die um die hübsche Neda, die bei den Protesten im Iran anno 2009 ihr Leben und ihre Zukunft verlor. Es fließt zu wenig Blut, um dem Giftskandal um unser geliebtes Frühstücksei auch nur annähernd Konkurrenz zu machen. Und was interessiert uns schon, was in unserem Urlaubsparadies so vor sich geht? Schon gleich wenn der einzige Kampf, den wir mit diesem Land verbinden, der ist, morgens um sieben den besten Platz am All-Inclusive-Pool zu ergattern?

Kollektives Jammern auf hohem Niveau

Wir sind nicht enttäuscht, wir tragen es wie immer mit Fassung. Erstaunt sind wir aber über die Tatsache, dass sich deutsche Blogs ebenfalls einen Dreck um dieses Thema scheren. Wo doch gerade das Thema Freiheitbeschneidung immer auf Empörung stößt. Wie war das, als bekannt wurde, dass die Neuauflage des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags, kurz JMStT, das deutsche Blogidyll für immer verändern würde? Der Aufschrei war nicht zu überhören, die Empörung groß. Wie können Politiker nur so dumm sein, so wenig vom Internet verstehen, diesem Medium, dass Menschen wortwörtlich verbindet und Revolutionen wieder möglich macht? Am Ende scheint es, als hätte der deutsche Teil der Blogosphäre selbst noch überhaupt nicht begriffen, wie diese Internet überhaupt funktioniert.

Anstatt nämlich geschlossen (!) gegen den unausgegorenen Gesetzesentwurf vorzugehen, wurden die Schwänze ruck zuck eingezogen und diejenigen Schreiber in zahlreichen Beiträgen bemitleidet, die ankündigten, ihr Blog aufgrund solcher Ungerechtigkeiten dicht zu machen. Ja Herrschaft noch einmal, fuhr es einem vor Wut in die Glieder. Mit was für einem Haufen Feiglingen haben wir es denn hier zu tun? Ein paar Unwissende wollen uns das Recht auf eine eigene, nicht immer „jugendfreie“ Meinung verbieten. Anstatt aber unsere Zähne kollektiv in die Hand zu rammen, die uns diese Freiheit entziehen will, tritt ein großer Teil die Flucht in die Kuschelecke an, um sich ob dieser Gemeinheit laut schluchzend seiner Tränenflüssigkeit zu entledigen.

Gemeinsam durch die Stacheldrähte der Zensur

Was seid Ihr nur für Weicheier, dass Ihr zwar schimpft wie Rohrspatzen gegen Zensurversuche von Seiten der Politik, aber lieber einsam vor Euch hinjammert, anstatt endlich gemeinsam aufzustehen? In Tunesien, in Algerien, im Iran und vor allem in China haben Blogger richtige Probleme. Dort macht man sich keinen Kopf, ob nun dieses Tittenbild oder jenes Zitat gegen den Jugendmedienschutz oder ein veraltetes Urheberrecht verstößt. Das sind lediglich Luxusblogger-Probleme, wie sie uns in unserer Pampers-Blogosphäre umtreiben. Wer in diesen Tagen beobachtet, wie sich junge Tunesier auf den Straßen und gerade im Internet formieren, um gemeinsam die Stacheldrähte der Zensur zu durchbrechen, sollte sich schämen, überhaupt jemals gejammert zu haben.

Nichts ist leichter, als sich in diesen Tagen mit der tunesischen Jugend solidarisch zu zeigen. Die Information liegt quasi auf der Straße der sozialen Netzwerke. Das Argument, man wisse ja nicht, was „dort“ so vor sich gehe, weil die Medien ja nicht darüber berichten, zählt nicht mehr. Dank Facebook wissen wir natürlich Bescheid, kriegen mit, wie uns junge Tunesier um Hilfe bitten, weiter über ihren Kampf für Freiheit zu berichten. Studenten, die uns im Chat von den neuesten Entwicklungen im Land erzählen, uns live berichten, wie das Militär gegen sie, den Nachwuchs des eigenen Landes, mobil macht. Nein wahrlich, wir können nicht so tun, als wüssten wir von nichts. Und Du kannst das auch nicht, Blogger-Deutschland. Du bist keine verdammtes Heer von Söldnern, Du solltest endlich erkennen, dass Du eine Friedenstruppe bist, die zusammenhält und gemeinsam gegen dieses Unrecht ankämpft. Für ein freies Informations-Netzwerk, das über Gesetzesentwürfe wie den des JMStV nur müde lächelt und dann unabhängig berichtet, wenn klassische Medien mal wieder auf ganzer Linie versagen. Alles andere sind Luxusblogger-Probleme, die mich ankotzen.

Quelle

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