«Haben wir uns in Ahmadinejad getäuscht?»


Wikileaks-Depeschen legen nahe, dass der iranische Präsident kompromissbereiter sein könnte als bisher angenommen.

 

Man kennt ihn als Mann der harten Worte, als Unterdrücker der Frauen, Gegner Israels und Verfechter des eigenen Atomprogramms. Doch Mahmud Ahmadinejad ist möglicherweise gar nicht der Hardliner für den man ihn weltweit hält.

Das behauptet zumindest das US-Magazin «The Atlantic». Es beruft sich auf Depeschen, welche Wikileaks veröffentlichte. Vielleicht, so das Magazin, sei Ahmadinejad überhaupt nicht Sinnbild für repressive Politik, sondern ein Reformator, der den Iran liberalisieren und sekularisieren wolle.

Zumindest würden Wikileaks-Berichte den Eindruck erwecken, dass Ahmadinejad bereit sei, Konzessionen im Atomprogramm einzugehen sowie den iranischen Bürgern mehr Freiheit zu gewähren. Das Magazin fragt darum provokativ: «Haben wir uns in Ahmadinejad getäuscht?»

Vom Kurs abgewichen?

«The Atlantic» beruft sich dabei auf zwei via Wikileaks kolportierte Episoden. So soll Ahmadinejads Hauptverhandler in Atomangelegenheiten, Saeed Jalili, im Oktober 2009 in Genf mit Repräsentanten der Weltmächte einen Kompromiss über Irans Nuklearprogramm ausgearbeitet haben. In jenem sollte der Iran zustimmen, fast seinen ganzen Vorrat an Uran zur Weiterverarbeitung an Russland und Frankreich zu verschicken. Es wäre dies ein klares Abrücken vom strikten Atomprogramm Irans gewesen. Der Deal scheiterte später an mangelnder Unterstützung im iranischen Parlament.

In den von Wikileaks veröffentlichten Depeschen sei jedoch die Unterstützung Ahmadinejads für dieses Unterfangen deutlich geworden, so «the Atlantic». Selbst als die Pläne im Frühjahr 2010 begraben wurden, versuchte der Präsident sie wiederzubeleben. «Die Erklärung von Teheran ist nach wie vor lebendig und kann immer noch eine Rolle in internationalen Beziehungen spielen», soll er im Juni gesagt haben. Und im September: «Es besteht eine gute Chance, dass Gespräche in naher Zukunft wieder aufgenommen werden.» Dies, obwohl Ayatollah Khamenei das Gegenteil sagte.

«Du hast diesen Schlamassel angerichtet»

Die zweite kolportierte Episode erachtet «The Atlantic» als «noch erstaunlicher». Auf dem Höhepunkt der Unruhen 2009 im Iran habe sich ein heisses Sicherheitsmeeting zugetragen, in welchem Ahmadinejad vorgeschlagen habe, den Iranern mehr persönliche und soziale Freiheiten – auch Pressefreiheit – zuzusichern, um die Unruhen zu entschärfen. Ziemlich aussergewöhnlich, wenn man bedenkt, dass die Aussage von einem Mann kommt, der gemeingültig als treibende Kraft hinter der Unterdrückung im Iran gilt.

Noch erstaunlicher ist gemäss Wikileaks aber die Reaktion des Kommandanten der iranischen Revolutionsgarde Mohammed Ali Jafari. Dieser soll Ahmadinejad auf seine Aussage hin geohrfeigt und geschrien haben: «Falsch! Du hast diesen Schlamassel angerichtet. Und jetzt willst du der Presse mehr Freiheit geben?»

Bild revidieren

Haben sich diese Episoden tatsächlich so zugetragen, zeige dies gemäss «The Atlantic» nicht nur den wachsenden Graben zwischen dem iranischen Präsidenten und der religiösen Elite, sondern es müsse auch das Bild Ahmadinejads zumindest teilweise revidiert werden.

Quelle

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