Diktatorendämmerung in Nahost


Der ist bald weg

Der ist bald weg

Die Diktatorendämmerung in Nahost – soviel steht inzwischen fest – verändert
nicht nur die Herrschaftsverhältnisse in Kairo, Tripolis, Tunis, Sanaa und
Damaskus. Auch in Israel, bei der Hisbollah und im Iran sieht man Grund zur Sorge.

Erbil/Istanbul (dpa) – Der Sturz von Muammar al-Gaddafi ist ein
historisches Ereignis – für die Libyer und auch für die Nato-Staaten, die
mitgeholfen haben, den selbstherrlichen «König der Könige von Afrika» zu Fall zu
bringen. Auswirkungen auf die Machtbalance in Nahost hat die von internationalen
Öl-Konzernen genau beobachtete Zeitenwende in Tripolis jedoch nicht. Anders
sieht es dagegen in Syrien aus, wo sich ein Bündnis aus Linken,
Menschenrechtlern, Islamisten und frustrierten Jugendlichen mit Todesverachtung
dem brutalen Sicherheitsapparat der Familie von Präsident Pascher al-Assad
entgegenstellt. Denn wenn Assad stürzt, verliert das Nachbarland Israel einen
ungeliebten, aber verlässlichen Nachbarn.

Die Einflusszone des Iran, der bislang Assads engster Verbündeter war, würde schrumpfen, die durch Gewalt und
Massenverhaftungen entmutigte iranische Protestbewegung könnte wieder Morgenluft schnuppern.

Und auch die von Syrien bislang gehätschelte und vom Iran mit Waffen
versorgte Schiiten-Bewegung Hisbollah im Libanon stünde plötzlich ziemlich
alleine da.

Auf der Gewinnerseite stünde dagegen nach Einschätzung von
Diplomaten die Türkei. Sie hatte Assad nach anfänglichem Zögern schließlich doch
das Vertrauen entzogen und zeigt sich inzwischen offen solidarisch mit den
Oppositionellen. Einige Beobachter halten es sogar für möglich, dass die Türkei
den Aufständischen dabei helfen könnte, eine «befreite Zone» einzurichten, in
den ländlichen Provinzen, die an die Türkei grenzen. Dort könnte sich dann eine
«freie syrische Armee» formieren, ähnlich wie die libysche Rebellentruppe, die
im Februar Bengasi zu ihrer «provisorischen Hauptstadt» gemacht
hatte.

Auch die Kurden, die ihre Siedlungsgebiete im Irak, in der Türkei,
in Syrien und im Iran haben, erhoffen sich viel vom Zusammenbruch des
Assad-Regimes, das in der kurdischen Minderheit stets eine fünfte Kolonne
gesehen hatte. «Kurden und Araber – nationale Einheit», stand auch am
vergangenen Wochenende wieder auf den Transparenten der Menschen, die in Syrien
gegen das Regime demonstrierten.

Allerdings vermuten die Kurden, dass die
Türkei, die sich mit dem nordirakischen Kurden-Autonomiegebiet inzwischen
arrangiert hat, versuchen wird, eine grenzüberschreitende kurdische Verbrüderung
zu verhindern. «Doch gleichgültig was passiert, fest steht, dass für das
Assad-Regime jetzt der TÜV abgelaufen ist, da kann nichts mehr repariert
werden», erklärt ein kurdischer Politiker in der irakischen Stadt
Erbil.

Unter den Arabern dürften vor allem die Golf-Araber und eine wie
auch immer geartete neue ägyptische Führung von einer Neuordnung der
Machtverhältnisse in Damaskus profitieren. An ein politisches Überleben Assads,
der seit Monaten versucht, sich mit Reformversprechen und Repression an der
Macht zu halten, glaubt inzwischen auch im arabischen Lager fast niemand
mehr.

Der jüngste Vorschlag der Arabischen Liga, die das syrische Regime
zu einem Kurswechsel aufgefordert hat, wird selbst von denjenigen Politikern,
die ihn formuliert und in Damaskus vorgebracht haben, nicht wirklich ernst
genommen. Er soll vielleicht auch nur dazu dienen, Zeit zu gewinnen, die
Opposition besser kennenzulernen, um dann zu schauen, auf welche der vielen
Protestgruppen man setzen sollte.

Für Israel, das seit 1967 die syrischen
Golanhöhen besetzt hält, ist vor allem wichtig, wie stark die Nationalisten und
die Muslimbrüder künftig in Syrien sein werden. Denn wenn der Deckel vom
Kochtopf Syrien erst einmal hochgehoben wird, könnte es für den jüdischen Staat
unbequem werden. Hat doch gerade erst die Erstürmung der israelischen Botschaft
in Kairo durch gewalttätige Demonstranten gezeigt, dass in einem arabischen
Staat, der nicht sofort jeden Protest eindämmt, Eruptionen anti-israelischer
Gefühle zu erwarten sind.

Quelle

Von denen, ist keiner mehr da

Von denen, ist keiner mehr da

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: